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Architektur und Technik kommunaler Telekommunikationsnetze

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Kapitel 1: Hintergrundwissen




1.3. City-Netz-Ausprägungen

Jetzt, wo der Begriff des City-Netzes konzeptuell eingeführt und die damit verbundenen Ziele beleuchtet wurden, sollen kurz einige mögliche Ausprägungen skizziert werden:

1.3.1. Zentraler WWW-Server mit Einwahlmöglichkeit

Eine weitverbreitete Variante des City-Netz-Konzepts basiert auf dem Einsatz von WWW-Servern, die ans Internet angeschlossen sind. Um die Zugriffskosten möglichst gering zu halten, installiert man regionale Zugriffsknoten, in die man sich via Modem oder ISDN zum Ortstarif einwählen kann. Die für eine Region relevanten Seiten werden dann lokal auf diesem Zugriffsknoten gehalten, so daß keine weiteren Kosten für die Internetbenutzung anfallen. Natürlich ist auch ein Zugriff auf das Internet möglich, wodurch allerdings dann Verbindungskosten anfallen. Die Übertragungsraten liegen bei 28 kbit/s bis 64 kbit/s und sind damit recht langsam. Insbesondere wenn die Informationsseiten viele Bilder beinhalten dauert der Seitenaufbau relativ lange. Typische Breitbandanwendungen wie Video on Demand oder Pay TV sind in diesem Szenario z. Zt. undenkbar.

Inzwischen gibt es bundesweit verschiedene Firmen, die ihre Dienste bei der Erstellung solcher regionaler Informationssysteme anbieten. Dieser Ansatz ist sehr einfach und kostengünstig zu realisieren und in den meisten Großstädten bereits verwirklicht. Da die WWW-Server mit dem Internet verbunden sind, spielen die klassischen Internetdienste hier noch eine große Rolle, während typische City-Netz-Dienste in der Regel noch gar nicht oder nur sehr eingeschränkt unterstützt werden [4] , [12], [13].


Abb. 1.3.1.1. City-Netz mit zentralem WWW-Server

1.3.2. Aufbau eigener Netzstrukturen unter Verwendung vorhandener Infrastruktur

Inzwischen haben viele Städte die Bedeutung der Datenkommunikation erkannt. Daher besteht ein großes Interesse, eine eigene Infrastruktur zu schaffen, um nicht später von privaten Monopolisten abhängig zu sein.

Aus diesem Grund laufen z.Z. in vielen Städten Planungen, eigene Netze, basierend auf der bereits vorhandenen Infrastruktur, aufzubauen. Die Energieversorger, die Stadtwerke und die Städte haben bereits heute im regionalen Bereich flächendeckend Kupferkabel liegen. Diese Kupferkabel sind unter Verwendung geeigneter DSL-Technologien hervorragend zur Datenübertragung geeignet. Grundgedanke wird sein, einige ausgezeichnete Netzknoten zu haben, an die sich interessierte Nutzer über Leitungen der technischen Werke, der Stadt oder auch der Telekom anbinden können. Dadurch, daß im Prinzip jeder beliebige Leitungen verwenden kann, wird der Wettbewerb unter den Anbietern belebt und damit die Kosten gesenkt. Der Informationsfluß zwischen einzelnen Behörden und Einrichtungen wird heute noch vorwiegend über relativ teure Leitungen der Telekom abgewickelt. Durch die Entwicklung eigener Netze könnten hier enorme Kosten eingespart werden.

Da eine direkte Anbindung jedes Bürgers in der Regel nicht wirtschaftlich erscheint, wird auch hier der Zugriff zunächst über Telekomleitungen via Modem oder ISDN erfolgen. Behörden und Großkunden könnten allerdings bereits heute direkt angebunden werden. Im Laufe der Zeit, insbesondere bei der Erschließung von Neubaugebieten und Industriegebieten, ist eine Direktanbindung jedoch wünschenswert [2], [5], [6], [8], [13].


Abb. 1.3.2.1. City-Netze unter Verwendung existierender Infrastrukturen

Neben den bisher genannten Ausprägungen von City-Netzen gibt es noch zwei weitere Vertreter von Netzen, die unter dem Label City-Netz laufen, nämlich "City-Netze" der Telekom und wissenschaftliche "City-Netze". Da sie jedoch in der Regel nicht für jedermann zugänglich sind und andere Ziele als bei klassischen City-Netzen verfolgt werden, zählen sie aus unserem Blickwinkel nicht zur Kategorie der City-Netze, obwohl die zugrundeliegende Technik durchaus vergleichbar ist.


1.3.3. "City-Netze" der Telekom

Die Telekom bietet seit kurzem in einigen Großstädten wie Berlin, Frankfurt oder Hamburg eigene sogenannte "City-Netze" an. Es handelt sich hierbei um Hochgeschwindigkeitsverbindungen für Wirtschaftszentren. Die "City-Netze" der Deutschen Telekom ermöglichen hohe Performance für verteilte Anwendungskopplung zwischen Geschäftspartnern und Filialen innerhalb einer Wirtschaftsregion. Es wird grundsätzlich LWL-Verkabelung bis zum Endkunden eingesetzt. Die Endnutzer solcher Netze sind ausschließlich Großkunden wie Institute, Firmen, Universitäten, Behörden und Ämter. Das Netz ist von seiner zugrundeliegenden Infrastruktur insbesondere für Breitbandanwendungen ausgelegt und liefert z.Z. Übertragungsraten bis 622 Mbit/s. Nach Aussage eines Telekom-Großkundenmanagers ist die Nachfrage der Kunden nach solchen Netzen sehr groß, obwohl der Bedarf für diese Bandbreite zum Teil noch nicht bzw. nicht immer vorhanden ist.

1.3.4. Wissenschaftliche "City-Netze"

Darüber hinaus entstehen in der letzten Zeit viele "City-Netze" für wissenschaftliche Anwendungen. Ebenso wie bei den "City-Netzen" der Telekom ist hier der Zugriff auf einen bestimmten Anwenderkreis - in diesem Fall wissenschaftliche Einrichtungen - eingeschränkt. Antrieb für die Entwicklung eigener Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen den einzelnen regionalen wissenschaftlichen Einrichtungen ist oft ein dramatischer Kostenspareffekt im Vergleich zu gemieteten Leitungen der Telekom. Darüber hinaus werden im wissenschaftlichen Bereich immer größere Übertragungsraten benötigt. Ebenso wie bei den oben vorgestellten City-Netzen versucht man auch hier oft, auf bereits bestehende Infrastrukturen zurückzugreifen um Netzstrukturen aufzubauen. Der Unterschied liegt also nicht unbedingt in der technischen Realisierung der Netze, sondern vielmehr in der Zielsetzung. Beispiele für wissenschaftliche "City-Netze" finden sich in Berlin (BRAIN) [19] und in Braunschweig.







  
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