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![]() Kapitel 2: Technologien im Überblick![]()
Während es sich bei HDSL um ein System zur Übertragung
gleicher Bitraten in beiden Richtungen handelte, wurden in den
USA sehr früh ADSL-Verfahren entwickelt, die bzgl. ihrer
Bitraten unsymmetrische, bidirektionale Übertragungen realisieren.
ADSL-Systeme erfüllen damit die Anforderungen vieler Breitbanddienste
und sollen diese im Anschlußbereich sehr wirtschaftlich
zum Wohnsitz der Kunden verteilen. ADSL spielt in diesem Umfeld
deshalb eine sehr bedeutende Rolle, weil neue Breitbandnetze Jahrzehnte
benötigen würden, um alle interessierten Teilnehmer
anzubinden. Der Erfolg der neuen Multimedia-Anwendungen hängt
jedoch maßgeblich von ihrem Verbreitungsgrad in den ersten
Jahren ab. Da ADSL eine schnelle, flächendeckende Einführung
dieser Dienste ermöglicht, belebt es den Markt und ist zudem
sehr wirtschaftlich, da keine weitere Hardware benötigt wird.
Ein weiterer Unterschied zu HDSL besteht im Anwendungsbereich. Während HDSL vorwiegend im geschäftlichen Bereich eingesetzt wird, soll ADSL private Anwender ansprechen und zu einem Massenartikel werden.
Bei ADSL handelt es sich um eine neuartige Modemtechnologie, die
Hochgeschwindigkeits-übertragungen über existierende
twisted-pair-Leitungen ermöglicht. Durch den Einsatz von
ADSL werden in bestehenden Telefonnetzen bisher ungeahnte Kapazitäten
freigesetzt. Die ADSL-Technologie ermöglicht Übertragungsraten
von mehr als 6 Mbit/s in Richtung des Teilnehmers und von max.
640 kbit/s in die Rückrichtung. Dadurch werden existierende
Übertragungskapazitäten um den Faktor 50 - ohne zusätzliche
Verkabelung - erweitert.
2.3.2. Das Konzept
ADSL wird also zusätzlich auf der Telefonleitung und zwar auf nur einer Doppelader, im Gegensatz zu HDSL, betrieben. Dies ist eine sehr strenge Forderung, da Kennzeichengabe, Weckerstromübertragung, Fernspeisung, Tonwahl u.a. ungestört erfolgen muß und zudem die spezifischen ADSL-Signale nicht beeinträchtigt werden dürfen. Abgesehen davon, daß neuartige interaktive Videodienste i.a. asymmetrische Übertragungsraten benötigen, bringt die Verwendung von asymmetrischen Übertragungsraten auch große Vorteile für das ADSL-System, insbesondere bzgl. der zu erwartenden Störungen aufgrund von Nebensprechen, mit sich. Da der return transmitter mit viel geringeren Frequenzen als der forward transmitter arbeitet, ist der Grad von Nebensprechen auf Seite des Kunden sehr viel geringer als bei Systemen mit symmetrischen Datenübertragungsraten. Dadurch lassen sich insbesondere größere Übertragungsdistanzen erreichen.
Unter Verwendung von Bandpaßübertragungsverfahren arbeiten
ADSL-Transceiver mit Frequenzen oberhalb der zur Telefonübertragung
benötigten. Filter vermeiden unerwünschtes Rauschen
und Störeinflüsse durch mechanische Vermittlungsvorgänge.
Dadurch können ADSL-Systeme mit existierenden Telefondiensten
ohne Störungen koexistieren. Intelligente Signalverarbeitung
in den Transceivern paßt sich automatisch den Bedingungen
jeder individuellen Leitung an und erkennt zudem zeitlich auftretende
Änderungen, wie sie durch Temperatur oder Feuchtigkeit verursacht
werden
[4],
[9],
[12].
2.3.3. Die Fähigkeiten von ADSL
Das Prinzip der ADSL-Übertragung wird in Bild 2.3.3.1. dargestellt.
Bild 2.3.3.1. Prinzip der ADSL-Übertragung
[12]. Die Verbindung besteht aus drei Informationskanälen - einem Hochgeschwindigkeitskanal in Richtung des Teilnehmers, einem Duplex-Kanal mittlerer Geschwindigkeit und einem konventionellen Telefonkanal. Durch den Einsatz hochmoderner Modulations- und Signalverarbeitungstechniken ist ADSL in der Lage, zwischen 1,5 Mbit/s und max. 6,144 Mbit/s über sogenannte simplex downstream-Hochgeschwindigkeitskanäle in Richtung des Kunden zu übertragen. Die Duplexkanäle erreichen Übertragungsraten zwischen 16 und 640 kbit/s. Jeder Kanal kann durch Multiplexer in weitere Kanäle mit geringeren Übertagungsraten unterteilt werden. So sind z.B. bis zu vier 1,536-Mbit/s-downstream-Kanäle oder bis zu drei 2.048-Mbit/s-downstream-Kanäle realisierbar. Je höher die verwendete Übertragungsrate ist, um so geringer ist die Übertragungsreichweite des Systems. Der Telefonkanal wird durch Filter von den anderen Kanälen getrennt, um einen einwandfreien Telefondienst zu ermöglichen, selbst dann, wenn die ADSL-Modems ausfallen.
Die Übertragungsrate des downstream-Kanals hängt von
mehreren Faktoren ab. Die Leiterlänge und der Leiterdurchmesser
sind ebenso ausschlaggebend wie die Präsenz von sogenannten
bridged taps oder Streuinterferenzen (Nahnebensprechen). Unter
optimalen Bedingungen ergeben sich folgende Werte:
Tabelle 2.3.3.1. downstream-Übertragungsrate in Abhängigkeit von Leitungsdurchmesser und
Leiterlänge [6]
Viele Anwendungen für die der Einsatz von ADSL denkbar wäre, beinhalten kompremierte digitale Videos. Ebenso wie für Echtzeitsignale kann man für digitale Videos keine Standardfehlerkontrollprozeduren - wie sie in Datenkommunikationssystemen i.a. zu finden sind - verwenden. ADSL-Modems verwenden daher forward error correction, wodurch die Fehler, die durch Impulsstörungen verursacht werden, signifikant reduziert werden. Video-on-demand ist ein sehr interessantes Einsatzgebiet für ADSL. Dieser Dienst ermöglicht es dem Kunden seinen Wunschfilm über ein zugrundeliegendes Netzwerk abzurufen und den Film dabei beliebig zu stoppen, zurück- oder vorzuspulen. Video-on-demand beinhaltet also die Funktionalität eines handelsüblichen Videorecorders in Verbindung mit einer digitalen Videothek.
Ein ADSL-Zugriffs-Übertragungssystem mit einer Übertragungsgeschwindigkeit
von 2,048 Mbit/s kann bereits MPEG (Motion Picture Experts Group)
kodierte Videos inklusive Stereo Sound übertragen. Dabei
ist die erreichbare Bildqualität der handelsüblicher
Videorecorder vergleichbar. Ein 6,144-Mbit/s-Übertragungssystem
kann bereits 3 Kanäle in VHS-Qualität anbieten oder
einen Kanal mit einer Bildqualität, wie man sie von Liveübertragungen
her kennt.
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