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![]() Kapitel 2: Technologien im Überblick![]()
2.4. ADSL-Übertragungstechniken
Frühe ADSL-Systeme verwendeten das sogenannte Frequency Division
Multiplexing (FDM) zur Kanaltrennung, wie es in Bild 2.4.1.1.
gezeigt wird.
Bild 2.4.1.1. ADSL Kanaltrennung
Der schmalbandige Kontrollkanal verwendet i.a. den Frequenzbereich
direkt oberhalb der Sprachfrequenzen, die für die Telefonie
verwendet werden. Der breitbandige downstream-Kanal schließt
sich an und belegt die höheren Frequenzen. Der für die
Übertragung eingesetzte Frequenzbereich wird i.a. auf 1 MHz
beschränkt, indem man mehrere Bits durch ein Symbol kodiert.
In Bild 2.4.1.1. wird die Frequenzverteilung eindimensional dargestellt,
in der Realität könnte das auch anders sein, um max.
Performance zu erzielen. Da Kupfer im unteren Frequenzbereich bessere Übertragungseigenschaften als im oberen aufweist, versucht man den Kontrollkanal mit dem downstream-Kanal zu überlappen. Dies kann man z.B. durch asymmetrische Echokompensation erreichen, durch die Störungen zwischen forward- und return-Kanal modelliert und aufgehoben werden können. Nach dem ADSL-Standard ist es möglich, in der set-up-Phase zwischen FDM oder Echokompensation zu wählen. Da Echokompensation für DMT-ADSL-Transceiver neu ist, haben jedoch viele Anbieter diese Option nicht vorgesehen. Durch den zusätzlichen Aufwand der Echokompensation soll eine Leistungssteigerung von 2dB erreicht werden. Die Vorteile der Echokompensation kommen erst dann voll zur Geltung, wenn die Bandbreite des Kontrollkanals ausgedehnt wird. Dadurch erzwingt eine FDM-Implementation für den downstream höhere Frequenzen und ist damit störanfälliger. In diesem Fall würde sich eine FDM-Implementation reichweitenbegrenzend auswirken. Es soll auch nicht verschwiegen werden, daß bei Echokompensation eine weitere Störung, bekannt als self-NEXT (Near End Cross Talk), auftreten kann.
Über die verschiedenen Übertragungsmethoden, die für
ADSL eingesetzt werden, wollen wir uns im folgenden einen Kurzüberblick
verschaffen:
2.4.2. Die Quadratur Amplituden Modulation (QAM)
Bild 2.4.2.1. Prinzipielle Struktur des Senders
und des Empfängers bei Bandpaßübertragung mit
einem Träger (QAM)
[24],
[12]
Bei diesem Verfahren wird der Datenstrom in zwei Datenströme mit jeweils der halben Übertragungsrate gesplittet und dann einem orthogonalen Trägerpaar aufmoduliert. Die Verwendung der beiden orthogonalen Träger - einer Sinus- und einer Cosinus-Funktion - erklärt auch die Bezeichnung "Quadratur"-Amplituden-Modulation. Das Prinzip dieses Verfahrens wird in Bild 2.4.2.1. dargestellt. Der obere Teil des Bildes stellt den ADSL-Sender dar. Dieser beinhaltet einen Scrambler, einen Leitungskodierer, einen Sendefilter, einen Modulator und einen D/A-Wandler. Ein zu übertragenes Signal wird nach dem Verwürfeln in einem Demultiplexer in zwei Teilsignale aufgeteilt. Diese Teilsignale durchlaufen anschließend Leitungscodierer, die eine Bit-nach-Symbol-Kodierung vornehmen. Anschließend werden sie im Modulator mit der Frequenz fo multipliziert. Der eine Pfad wird mit einem Cosinus, der andere mit einem Sinus moduliert. Beide Signale werden anschließend addiert und nach einer D/A-Wandlung über einen Sendefilter auf eine Zweidrahtleitung gegeben. Beim Empfänger wird das Signal zunächst in einem Empfangsfilter bandbegrenzt und nach einer A/D-Wandlung mit einem Cosinus- bzw. Sinusträger gleicher Frequenz wie beim Sender multipliziert.
Für jeden der beiden Pfade ergeben sich nun jeweils ein Basisbandanteil,
ein Term mit der Frequenz fo und einer mit der Trägerfrequenz
2fo. Der nachfolgende Entzerrer macht die Verzerrung des Leiterpaares
rückgängig und filtert die Frequenzenanteile fo und
2fo heraus, so daß wieder das ursprüngliche Basisbandsignal
vorliegt. Dieses wird für den jeweiligen Pfad getrennt detektiert
und decodiert. Zuletzt werden die beiden Teilsignale im Multiplexer
wieder zu einem Signal zusammengefaßt.
2.4.3. Die Carrierless Amplitude/Phase Modulation
(CAP) Die CAP zählt ebenso wie die QAM zu den Einträger-Bandpaßübertragungsverfahren. Der Name deutet schon die Besonderheit des Verfahrens an: es wird eine trägerlose Amplituden-/Phasenmodulation durchgeführt, d.h. durch geschickte Wahl der Trägerfrequenz wird die Übertragung derselben verhindert. Ein weiterer Unterschied zur QAM liegt darin, daß Modulation und Demodulation im Sender und Empfänger in einem Paar von digitalen Filtern stattfindet. Bild 2.4.3.1. verdeutlicht die Arbeitsweise der CAP. Wie bereits erwähnt, werden hier keine orthogonalen Trägerfunktionen verwendet, sondern die Teilströme durch die Verwendung zweier digitaler Transversalfilter moduliert. Diese beiden Filter haben als Impulsantworten Hilbertpaare, d.h. Antworten mit denselben Amplitudencharakteristika aber einer Phasenverschiebung von /2. Das zu übertragende Signal wird durch die Addition der beiden Filterausgaben gebildet. Nachdem das Signal eine D/A-Wandlung erfahren hat und einen Sendefilter passiert hat, wird es auf die Zweidrahtleitung gelegt.
Der Empfänger muß hier eine Ausgleichfunktion bereitstellen.
Die Struktur des Equalisers sieht im Prinzip genauso aus wie bei
der QAM.
Bild 2.4.3.1. CAP ADSL-Transceiver
[24]
2.4.4. Discrete Multi-Tone Modulation (DMT)
Bild 2.4.4.1. CAP/QAM und DMT Modulation
[12],
[24]
Diese Vorgehensweise ist allerdings nicht immer sehr geschickt, da man hier die schlechten Übertragungseigenschaften von Kupfer in höheren Frequenzlagen außer Acht läßt. Deshalb legt man in der Praxis die Bitrate des jeweiligen Teilkanals entsprechend seines Störbelages fest. Dadurch ist eine optimale Nutzung des Übertragungsmediums Kupfer möglich. DMT kann man sich im Prinzip als eine Reihe von nebeneinanderliegenden, parallel und gleichzeitig arbeitenden QAM-Systemen denken (Bild 2.4.4.1.). Dabei arbeitet jedes QAM-System mit der zu einem DMT Teilkanal korrespondierenden Trägerfrequenz. Der Transmitter moduliert Daten, indem er Töne bestimmter Frequenzen erzeugt, diese zusammenfaßt und als "DMT Symbol" über die Leitung schickt. Bei ausreichend kleiner Teilkanalbandbreite ist die Dämpfung über einem einzelnen Teilkanal als konstant anzusehen. Außerdem müssen bei der Verwendung von DMT i.a. im Empfänger keine Entzerrer eingesetzt werden, sondern nur einfache Kanalverstärker, da der Einfluß der nichtlinearen Phase des Kabels auf das übertragene Signal in einem Teilkanal vernachlässigbar ist.
Das Mehrträger Modulationsverfahren setzt Orthogonalität
zwischen den verschiedenen Teilkanälen voraus. Dies kann
man z.B. durch die Verwendung von Fast Fourier Transformation
(FFT) Methoden erreichen. Bild 2.4.4.2 zeigt den prinzipiellen
Aufbau eines DMT-ADSL-Transceivers.
Bild 2.4.4.2. DMT-ADSL-Transceiver [24]
Wie bereits erwähnt, kann die Anzahl der Bits, die über
einen Teilkanal gesendet werden, bei DMT variieren. Diese adaptive
Fähigkeit erhöht die Performance, da bestimmte störanfällige
Frequenzen bestimmter Übertragungsmedien einfach ausgespart
werden können. Das folgende Bild (Bild 2.4.4.3.) zeigt die
Verteilung der Bits auf die verschiedenen Teilkanäle bzw.
Frequenzen.
Bild 2.4.4.3. Verteilung der Bits auf die verschiedenen
Teilkanäle bzw. Frequenzen [24]
2.4.5. Was ist VDSL ?
Beim Aufbau von Hybridanschlußnetzen werden i.a. mehrere Ansätze verfolgt. Man unterscheidet zwischen Fibre To The Curb (FTTC), Fibre To The Neighborhood (FTTN), Fibre To The Basement (FTTB) und Fibre To The Home (FTTH).
Die meisten Konzepte zur Einführung optischer Teilnehmeranschlüsse
verfolgen die Strategie, den optischen Netzabschluß möglichst
nahe an oder in den Wohnbereich zu führen. Bei FTTC befindet
sich der Netzabschluß am Straßenrand. Von hier werden
die Einzelteilnehmer über relativ kurze Kupferleitungen an
das optische Netzwerk angeschlossen. Bei FTTB und FTTH wird der
Netzabschluß direkt in die Gebäude gelegt und nur noch
die Gebäudeverkabelung selbst mit Kupferleitungen realisiert.
Da FTTH in der Regel noch zu teuer ist, bietet sich eine attraktive
Alternative in Form von FTTN an. Bei dieser Strategie werden in
der Nachbarschaft sogenannte Optical Network Units (ONUs) installiert,
die mittels Glasfaser verkabelt sind, und die sogenannte letzte
Meile durch existierende Kupferleitungen überbrückt.
Durch die Heranführung der Glasfaser bis zum Kabelverzweiger,
einem Schaltpunkt im Teilnehmeranschlußnetz, kann die mit
Kupferkabel zu überbrückende Distanz in Deutschland
in 90% auf weniger als 500m reduziert werden
[8],
[11].
2.4.5.2. Was VDSL alles können soll ...
Betrachten wir zunächst die zu erwartenden Übertragungsraten.
Man diskutiert zur Zeit downstream-Übertragungsraten von
51,84 Mbit/s, 25,92 Mbit/s und 12,96 Mbit/s. Vielfache dieser
Übertragungsraten ergeben die in SONET bzw. SDH gebräuchliche
Übertragungsrate von 155,52 Mbit/s. Wie bereits aus der Diskussion
von ADSL bekannt, nimmt die Übertragungsreichweite mit zunehmender
Datenübertragungsrate ab. Für VDSL ergeben sich folgende
Werte:
Tabelle 2.4.5.2.1. downstream Übertragungsrate in Abhängigkeit
von der Leitungslänge [8]
Die angestrebten upstream-Übertragungsraten lassen sich i.a.
in drei Bereiche einteilen:
Diese hohen Übertragungsraten lassen sich für größere
Distanzen nur durch asymmetrische Übertragungsraten erzielen.
Symmetrische Konfigurationen sind u.U. für sehr kurze Leitungen
realisierbar. Da die meisten Multimedia- und Videoanwendungen
in der Regel asymmmetrische Übertragungsraten erfordern,
ist dies allerdings keine allzu große Einschränkung.
Wie bereits ADSL wird auch VDSL daher vorwiegend für Videoanwendungen
eingesetzt. Dadurch ergibt sich bei der Wahl geeigneter Fehlerfunktionen
eine kleine Einschränkung. Komprimierte Video-Signale sind
ebenso wie Echtzeitsignale nicht für die klassischen Fehler-Korrekturstrategien
in der Datenkommunikation geeignet. Daher wird in VDSL eine Forward
Error Correction (FDE) mit genügend Interleaving zur Korrektur
aller durch Impulse bestimmter Dauer verursachten Störungen
durchgeführt.
2.4.5.3. VDSL Technik
Übertragungsmethoden
Für VDSL wurden 4 Übertragungsmethoden vorgeschlagen,
von denen einige bereits bei der ADSL-Diskussion vorgestellt wurden:
Kanaltrennung
VDSL Systeme werden anfänglich Frequency Division Multiplexing
(FDM) zur Trennung von down- und upstream sowie zur Abschirmung
beider Kanäle gegenüber dem Telefondienst bzw. ISDN
verwenden. Echokompensation wird vielleicht für neuere Geräte
mit symmetrischen Datenübertragungsraten erforderlich.
Forward Error Control
Für die Fehlerkontrollfunktionen wird eine Form der Reed
Soloman Kodierung mit optionalem Interleaving zur Korrektur von
durch Impulsstörungen verursachten Fehlern eingesetzt. Die
Fehlerkorrektur wird sehr ähnlich der für ADSL in T1.413
definierten Form sein. Eine noch nicht geklärte Frage ist,
ob für den FEC-Overhead payload-Kapazität oder out-of-band
Signalisierung verwendet wird. ADSL verwendet hier out-of-band
Signalisierung.
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