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Architektur und Technik kommunaler Telekommunikationsnetze

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Kapitel 4: Das City-Netz in Kaiserslautern




4.1. Kaiserslautern

Kaiserslautern ist mit seinen 100.000 Einwohnern Arbeitsort und Wachstumspol der Region Westpfalz. Die Stadt übernimmt im wirtschaftlichen, kulturellen, schulischen und im Freizeitbereich zentrale Funktionen für die 500.000 Einwohner der Region. Seit 1970 ist Kaiserslautern Universitätsstadt. Die Universität ist bemüht, einen engen Technologietransfer zu den Wirtschaftsunternehmen der Region herzustellen. Darüber hinaus ist die Stadt Sitz der Fachhochschule Kaiserslautern.

Obwohl sich in Kaiserslautern einige bedeutende Industrieunternehmen angesiedelt haben, wie z.B. Opel oder die Nähmaschinenfabrik Pfaff, ist der Wirtschaftsstandort Kaiserslautern gefährdet, so daß man sich gezielt nach neuen wirtschaftlichen Perspektiven umsieht. Das gerade in Kaiserslautern entstehende City-Netz ist als eine solche Perspektive anzusehen. Man erhofft sich durch die Einführung von Bürgernetzen, nicht nur für die Stadt, sondern längerfristig für die gesamte Region, positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Standorts. Auch in Kaiserslautern hat man die Zeichen der Zeit erkannt und setzt auf den Einstieg in die Informationsgesellschaft.

4.2. Der Anfang ...

Das Konzept für das City-Netz KL wurde Anfang 1996 entwickelt und basiert im wesentlichen auf Erfahrungen anderer Projekte, wie z.B. Ulm oder Münster. Die mit der Einführung des Bürgernetzes verfolgten Ziele lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Stärkung des Gemeinwesens durch verbesserte Kommunikation untereinander.
  • Umfangreiche Information und damit Integration des Bürgers in Verwaltungs- und Entscheidungsprozesse.
  • Stärkung des Wirtschaftsstandorts Kaiserslautern.

Geboren wurde die Initiative in Gesprächen zwischen der Universität Kaiserslautern und der Stadt Kaiserslautern. Man beschloß, ein bestehendes Informationssystem der Stadtverwaltung, basierend auf einem zentralen WWW-Server, zu einem realen City-Netz auszubauen. Wie in anderen Städten auch, soll dabei auf bestehende kommunale Infrastrukturen zurückgegriffen werden. Im Mittelpunkt der konzeptuellen Überlegungen steht dabei ganz klar der Bürger als Dienstnutzer. Geplant ist u.a. die Realisierung folgender Bürgerdienste:

  • E-Mail
  • gopher
  • WWW
  • News
  • Diskussionsforen
  • Stadtinformationssystem

Darüber hinaus sollen Dienste für den Unternehmensbereich, wie z.B. RZ-Kopplung oder Kopplung von TK-Anlagen konzipiert werden.


Abb. 4.2.1. Kaiserslautern on-line

Ebenso wie in anderen Projekten auch, werden die Bürger zunächst vorwiegend über diverse WWW-Server bedient, in die man sich via Modem oder ISDN einwählen kann. Das Online-Informationsangebot in und über Kaiserslautern umfaßt z.Zt. folgende Themenbereiche:

  • Kneipenführer
  • Kulturführer
  • Hotel-Online-Reservierung
  • Gastronomie
  • Kinoprogramm
  • Kleinanzeigen
  • Veranstaltungskalender
  • Sportvereine
  • Diskussionsforum
  • Stadtansichten
  • Stadtgeschichte
  • Ämter
  • Daten, Fakten und Zahlen zu Kaiserslautern




Eine Erweiterung des WWW-Angebots um folgende Dienste wird jedoch angestrebt:

  • Fahrplanauskunft
  • Vereine online
  • Cafes und Usertreffen
  • Kino und Theater Ticketservice
  • Mussen
  • Theater
  • lokale Nachrichten
  • lokale Radiosender

An dem Projekt City-Netz KL sind z.Zt. neben der Stadt als kommunaler Informationsanbieter, die TWK und die Telekom als Infrastrukturanbieter, die Universität Kaiserslautern als technischer Berater sowie die Firma IBS als Dienstanbieter vertreten.

4.3. Die Nutzer

Die überwiegende Mehrheit der City-Netz-Anwender greifen auf City-Netz-Dienste über das Anschlußnetz der Telekom via Modem oder ISDN zu.

Darüber hinaus hat das Projekt einen weiteren Schub durch die Vernetzung und Anbindung zweier Studentenwohnheime bekommen. Durch die Anbindung der Wohnheime an die Universität haben ca. 300 Studentenappartments direkten Internetzugang erhalten. Die interne Vernetzung der Wohnheime wurde von der Telekom übernommen. Die Verbindung zwischen Universität und den Wohnheimen wurde über Cu-Kabel der TWK hergestellt. Bei dieser Leitung handelt es sich um eine 2 Mbit/s-Leitung. Im Rahmen des City-Netz-Projektes sollen weitere 700 Internetzugänge in Studentenwohnheimen realisiert werden. Die hierbei entstehenden Kosten werden z.Zt. vom Studentenwerk getragen, so daß alle angebundenen Studenten dieses Angebot kostenlos nutzen können.

Studenten und Mitarbeiter von Fachhochschule und Universität haben zudem die Möglichkeit, über Internet-Terminals auf City-Netz-Dienste zuzugreifen.

Darüber hinaus laufen z.Zt. erste Versuche mit einer Cu-Leitung zwischen der Universität und dem Technologiepark Siegelbach. Unter anderem wird hier getestet, welche maximalen Übertragungsraten unter Verwendung von DSL-Technologien erzielbar sind.




Abb. 4.4.1. Das City-Netz KL

4.4. Das Konzept

In Abb. 4.4.1. wird das Konzept des City-Netz KL graphisch dargestellt. Es handelt sich hierbei um einen logischen Netzplan, der Kommunikationsbeziehungen, jedoch keinerlei physikalische Verbindungen, repräsentiert. Wie man sieht, sind die Universität und die Stadt in der Graphik besonders hervorgehoben, sie bilden quasi die zentralen Knoten, an die die anderen Einrichtungen angebunden werden.

Während die Universität schwerpunktmäßig wissenschaftliche Einrichtungen und Studenten an das City-Netz anbindet, werden die ortsansässige Wirtschaft, die Bürger und die Verwaltung vorwiegend von der Stadt bedient. Die Stadt tritt hier allerdings nicht als Netzprovider auf, sondern vielmehr als Informationsanbieter.

Wie bei anderen City-Netz-Projekten auch, kann aus wirtschaftlichen Gründen natürlich nicht jeder Haushalt einen Direktanschluß an das City-Netz erhalten. Zur Überbrückung der letzten Meile ist man auch in Kaiserslautern auf die Telekom angewiesen, mit der weiterhin eine partnerschaftliche Zusammenarbeit bei der Einführung des City-Netzes angestrebt wird.

Da ein City-Netz ohne Anwender undenkbar ist, sind die Bürger integraler Bestandteil des Konzeptes. In der Graphik wird dies dadurch zum Ausdruck gebracht, daß alle Firmen, Institute und sonstigen Anwender von den Bürgern umschlossen werden.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist die hier sogenannte "Betreibergesellschaft" als Synonym für eine Organisationsform. Neben der Bereitstellung und Wartung der benötigten Infrastruktur ist diese insbesondere für den reibungslosen Betrieb des Netzes zuständig. Darüber hinaus ist abzuwägen, ob eine Betreibergesellschaft neben der Bereitstellung und Pflege der Infrastruktur selbst auch als Service-Provider auftreten sollte. Für eine noch zu gründende Betreibergesellschaft lassen sich im allgemeinen drei Gruppen von potentiellen Gesellschaftern identifizieren. Zunächst wäre hier die Gruppe der Netzanbieter, also die Telekom, die TWK und andere alternative regionale Netzanbieter zu nennen. Diese Gruppe wäre insbesondere für die Bereitstellung und den reibungslosen technischen Betrieb der Netze verantwortlich.

Die zweite Gruppe von möglichen Gesellschaftern beinhaltet Unternehmen, die Mehrwertdienste, Produkte oder Beratungsleistungen im Umfeld der Informationstechnik anbieten.

Die letzte Gruppe schließlich umfaßt City-Netz-Großkunden, wie z.B. die Stadt, die Universität, Banken und andere.

Zur Zeit werden einzelne Kommunikationsbeziehungen des Konzeptes versuchsweise durch physikalische Leitungen realisiert. Bevor jedoch das Gesamtkonzept umgesetzt werden kann, ist die Frage der Organisationsform der Betreibergesellschaft und damit die Frage der Beteiligung der einzelnen Gruppen zu klären.

4.5. Empfehlungen und Perspektiven

Ein City-Netz steht und fällt mit seiner Akzeptanz bei den Anwendern. Bevor ein City-Netz sich in der Bevölkerung durchsetzt, muß eine gewisse kritische Anwendermasse erreicht werden. Daher sollte ein reales City-Netz bei potentiellen Großkunden und Multiplikatoren eingeführt werden. Parallel sollte man an eine Direktanbindung von interessierten Bürgern denken. Ein erster Schritt zur Einführung eines City-Netzes besteht also darin, möglichen Anwendern - mittelständischen Betrieben, Behörden, Verwaltungen, etc. - die Vorteile des Netzes vor Augen zu führen. Dazu ist zunächst eine Erfassung von gewünschten Diensten im Unternehmensbereich durchzuführen. Da die meisten kleineren Unternehmen bisher kaum Erfahrungen mit dem neuen Medium haben, ist eine umfangreiche Information über die Möglichkeiten und Dienste des City-Netzes unerläßlich.

Neben dem Ausbau eines realen Netzes, sollten die Dienste des virtuellen Netzes weiter verbessert werden. Neben reinen Informationsdiensten sollten die Möglichkeiten eines WWW-basierten Serveransatzes voll ausgeschöpft werden. Insbesondere lassen sich auf dieser Plattform sehr einfach gängige Internetdienste für alle Bürger einführen. Ein weiterer Ansatz zur Verbreitung von on-line Diensten besteht darin, an öffentlichen Plätzen frei zugängliche Informationsterminals einzurichten. Hier gibt es inzwischen bereits verschiedene Anbieter, die solche Terminals den Städten kostenlos zur Verfügung stellen und sich über Sponsoring finanzieren.

Da ein Bürgernetz von allgemeinem Interesse ist bzw. sein sollte, wäre es gut, wenn sich auch in Kaiserslautern Interessenverbände und Vereine nach dem Vorbild Münster gründen würden. Erfahrungen anderer Projekte zeigen, daß solche Interessenverbände die Planungen und Umsetzungen von City-Netz-Konzepten maßgeblich beschleunigen. Zudem haben solche Vereine die Aufgabe, Bürgerinteressen bei der Einführung von Diensten zu vertreten und die Bürger über das Projekt auf dem laufenden zu halten.

Meiner Meinung nach sollten regelmäßige Informationsveranstaltungen zu den aktuellen Planungsständen durchgeführt werden. Dazu sind neben Vertretern der Stadt, der ortsansässigen Wirtschaft, der wissenschaftlichen Einrichtungen und Schulen auch alle interessierten Bürger einzuladen.










  
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